Ein Unfall bei dem man nicht wegschauen kann. Der amtierende Trainer macht einen Kurzurlaub mit seiner Freundin. Währenddessen geht der FC Bayern fremd.
Die Entscheidung Thomas Tuchel zu kontaktieren ist sportlichen Ursprungs und lässt sich allein damit begründen. Man hat nicht nur 10 Punkte in der Rückrunde verloren, sondern in allen Statistiken einen extremen Leistungsabfall vermerkt. Eine Meisterschaft rückt so in weite Ferne. Was für den Fan darüber hinwegtäuscht ist die Leistung in der Champions League gegen Weltmeister Messi. Welche sicherlich respektabel gewesen ist, jedoch hat man gegen ein PSG gespielt, welches diese Saison nicht auf Top-Level ist. Die Vier Niederlagen in den ersten Wochen der Rückrunde belegen das.
Das Fatale an dem Trainerwechsel ist allein die mediale Berichterstattung.
Mit dem Leak zum Treffen zwischen Tuchel, Kahn & Salihamidzic werden bereits Tatsachen geschaffen und der FC Bayern ist in einer Zwickmühle. Der Wechsel ist unausweichlich, denn das Vertrauen in Nagelsmann ist offensichtlich gebrochen. Eine Rückkehr auf die Bayern Bank wäre ein mediales Pulverfass. D.h Bayern muss sich von einem Trainer trennen und zugleich einen neuen verpflichten, mit dem Mann noch keine Einigung hat. Eine für den Verein unsouveräne Situation, in der heißen Phase der Saison, wissen die Spieler nicht wie es um ihren Trainer steht und erfahren es aus den Medien. Wie Nagelsmann selbst auch.
Auch wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, wie reagiert man auf die Situation? Man kann natürlich darauf warten bis man die Vertragsdetails verhandelt hat. Aber in dunklen Momenten muss man aus der Deckung kommen. Der Verein und der neue Trainer sind zusammen in dieser Situation und da muss man seinen zukünftigen Trainer beim Wort nehmen können. Es wäre eine kleine, aber sehr große Geste gewesen, unmittelbar nach bekantwerden der Gerüchte, sich 2h ins Auto zu setzten, zu Nagelsmann in den Urlaub zu fahren, sich in die Augen zu schauen, ne gute Flasche zu öffnen und sich zu bedanken. Und sich selbstverständlich auch für die Art der Kommunikation zu entschuldigen.
Das „Mia San Mia“ ist eben kein Leistungsprinzip, wie es des öfteren von Verantwortlichen zitiert wird, sondern Vereinskultur.
Die anschließende Pressekonferenz wirkt dann im narrativ leider wenig emotional und nahbar. Eben wahrscheinlich auch weil die Trennung so verlaufen ist. Aber man kann Julian als Trainer über den Klee loben, auch das Verhältnis zu den Spielern und den Wechsel allein mit der Leistung begründen. Und es steht dem Verein gut dann etwas lockerer, menschlich und persönlich die Situation zu schildern. Dazu auf detailiertere Analysen einzugehen, Zweikampfwerte oder Ballverluste, wodurch sich die Entscheidung fachlich begründen lässt. Zu guter Letzt fehlt es an Selbstkritik. Man ist zusammen gescheitert. Man glaube an den Kader, aber offensichtlich sei die Vision die man zusammen mit Julian hatte, nicht aufgegangen. Einfache Worte die das Handeln des Vereins menschlicher gemacht hätten.
Danach kommt Tuchel auf die PK, ein Großereignis im Fussball, und Er nimmt die Euphorie auf. Sein sehr souveräner Auftritt zeigt seine medial gewachsene Reife, die zu letzt das ein oder andere mal im Verein gefehlt hat.
Im nächsten Blog schauen wir auf Tuchels erstes Spiel.
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